Kindersitze - was man beachten sollte!

von

Joie Signature i-Quest
Foto: Joie Signature i-Quest

Der wichtigste Gegenstand, den Sie Ihrem Kind jemals kaufen werden? Das ist der Auto-Kindersitz, den dieser kann sein Leben retten! Was aber nützt das sicherste Modell, wenn es nicht richtig verwendet wird? Daher: 13 lebenswichtige Tipps zum Thema Kindersitz.

  • Die traurige Wahrheit: Immer noch sind drei von fünf Kindern im Auto nicht richtig gesichert. Und das mit oft verheerenden Folgen. Denn bei einem 50 km/h-Frontalaufprall werden Pkw-Insassen innerhalb einer Zehntelsekunde mit rund 30-fachem Körpergewicht nach vorne geschleudert – was einem ungebremsten Sturz aus zehn Metern Höhe entspricht! Für Babys und Kleinkinder ist das besonders fatal: Durch ihren verhältnismäßig großen und schweren Kopf kann es zu schwersten Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen kommen.

    Während die Eltern in der ersten Sitzreihe neben Gurt, Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer auch noch mehrere Airbags und eine aktive Kopfstütze zum Schutz haben, hängt das Überleben ihrer Kinder im Ernstfall von einer einzigen Einrichtung ab: dem korrekt eingebauten Kindersitz.

Kindersitz je nach Alter

"Ein Kind braucht in seinem Leben drei Kindersitze", erklärt die "Zwergperten"-Kindersitzfachhändlerin Sonja Schimböck aus Graz.

Nach der gültigen "i-Size"-Regelung orientieren sich die Kindersitz-Gruppen an Gewicht und Größe:

  • Babyschalen (bis ca. 80 cm),
  • Kleinkindersitze (bis 105 cm)
  • und Kindersitze für größere Kinder (bis ca. 100–150 cm).

Dazu kommt:

  • Bis zum Alter von 15 Monaten müssen Kinder im i-Size-Kindersitz grundsätzlich gegen die Fahrtrichtung sitzen.
  • Bis 105 Zentimeter empfiehlt sich ein Reboarder, der erwiesenermaßen am sichersten ist: Rückwärts gerichtete Kindersitze reduzieren die Gefahr schwerer Verletzungen bei einem Frontalunfall um ca. 90 Prozent, vorwärts gerichtete um ca. 60 Prozent.
  • Danach kommt ein Sitz für eine Körpergröße von 100 bis 150 Zentimeter an die Reihe, der bereits mit dem Autogurt funktioniert.

Einteilung in Normgruppen schön und gut. Bekanntlich richten sich Kinder aber nicht nach Normen. In der Frage, ab welcher Körpergröße bzw. bei welchem Gewicht ein Sitz gewechselt werden soll, daher unbedingt die Angaben des Herstellers beachten!

Kinderautositze nach der i-Size-Norm bieten jedenfalls verbesserten Schutz bei einem Seiten- und Frontalaufprall sowie wesentlich mehr Schutz für den Kopf- und Nackenbereich. Außerdem sind sie mit allen i-Size-Autos und fast allen Isofix-Autos kompatibel, was die Fehlerwahrscheinlichkeit beim Einbau des Sitzes deutlich reduziert. Es gibt aber auch i-Size-Norm-Sitze, die mit Autogurt befestigt werden können.

Drei Kindersitze braucht ein Kind bevor es ohne Rückhaltesystem im Auto sitzen darf.

  • Die Nummer 1 ist die Babyschale, die idealerweise nicht mit dem Autogurt, sondern in einer eigenen Basisstation mittels Klicksystem fixiert wird. Bei 80 Zentimetern Körpergröße ist Schluss mit der Babyschale!
  • Ab einer Körpergröße von 80 Zentimetern (je nach Herstellerangabe) ist es Zeit für den zweiten Kindersitz. Wenn dieser reboard, also gegen die Fahrtrichtung, montiert wird, erhöht das die Sicherheit maßgeblich. Bei allen reboard montierten Sitzen gilt: Unbedingt Airbag ausschalten, das ist lebenswichtig!
  • Ab einer Körpergröße von 100 bis 105 Zentimetern muss ein Kindersitz für größere Kinder her. Ihn kann man auch am Beifahrersitz verwenden, der Airbag sollte eingeschaltet bleiben. Auch wenn der Gesetzgeber den Transport für Kinder ab 135 Zentimetern ohne Kindersitz erlaubt, empfehlen Sicherheitsexperten dringend, Kinder bis zu einer Größe von 150 Zentimetern in einem Rückhaltesystem zu transportieren.

LEBENSWICHTIG:

13 Tipps zum Thema Kindersitz

  1. BABYS: REBOARD

    Babyschalen müssen immer gegen die Fahrtrichtung montiert werden. Diese Position bietet den besten Schutz bei Unfällen.
    Schauen die Beinchen über den unteren Schalenrand, ist das kein Problem.
    Der Kopf darf allerdings keinesfalls den oberen Sitzrand überragen.
    Im Sinne der Sicherheit sollten Babys und Kleinkinder so lange wie möglich reboard - also gegen die Fahrtrichtung - sitzen. Kindersitzfachhändler Sonja Schimböck empfiehlt das sogar für die ersten vier Lebensjahre, was in Skandinavien übrigens bereits seit Jahren üblich ist.

    Joie Signature i-Quest
    Die Montage des Kindersitzes gegen die Fahrtrichtung sorgt im Falle eines Unfalls für deutlich weniger schwere Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen. Bis zum 15. Lebensmonat schreibt der Gesetzgeber die Reboard-Montage vor, wer auf Nummer sicher gehen will, lässt sein Kind bis zum dritten Geburtstag gegen die Fahrtrichtung fahren.
  2. HERSTELLERANGABEN BEACHTEN

    Genau lesen, bis zu welcher Körpergröße und welchem Gewicht der Sitz benutzt werden darf.
  3. GRÖSSENVERSTELLUNG NUTZEN

    Der Scheitel des Kindes muss bei der Babyschale unterhalb des oberen Schalenrandes bleiben. Auch der Gurtverlauf ist zu beachten. Hinweise dazu entnehmen Sie den Herstellerangaben.
  4. BABYSCHALE RICHTIG FESTMACHEN

    Auf Isofix-Dockingstation einklicken und darauf achten, dass die Anzeige tatsächlich auf Grün steht. Wird die Schale mit dem Autogurt befestigt, ganz genau auf den richtigen Gurtverlauf achten.
  5. GURT BEIM KINDERSITZ RICHTIG EINFÄDELN!

    Es gibt einige Möglichkeiten, den Gurt falsch einzufädeln - mit fatalen Folgen!
    Speziell bei Kindersitzen für größere Kinder (100-150 cm), die mit dem Autogurt fixiert werden, ist genau auf den Gurtverlauf zu achten. Der Beckengurt darf nicht über den Bauch führen, weil sonst schwere Bauchverletzungen drohen, er darf aber auch nicht zu weit unten auf den Oberschenkeln verlaufen.
    Ähnlich verhält es sich mit dem Schultergurt: Idealerweise verläuft er über dem Schlüsselbein, nicht aber zu hoch beim Hals, weil das Kind sonst stranguliert würde. Ist der Schultergurt wiederum zu knapp am Schultergelenk, kann er herunterrutschen und hilft im Ernstfall gar nicht. Am besten vom Profi im Fachgeschäft zeigen lassen und selbst gleich ausprobieren.
    Auch diesbezüglich gilt: genau die Herstelleranleitung lesen. Das betrifft übrigens alle Gruppen von Kindersitzen!
  6. DOCKINGSTATION

    Eine Basisstation gilt als einfachste Variante, einen Kindersitz zu montieren. Die Dockingstation wird mit dem Isofix-System des Autos verbunden, wodurch sich dann die Babyschale mühelos ein- und ausklicken lässt.
    Kindersitze mit Isofix-Befestigung sind weniger fehleranfällig beim Einbau, da sie durch eine EU-normierte Steckverbindung starr mit dem Fahrzeug verbunden sind.
  7. HOSENTRÄGERGURT FEST ANZIEHEN

    Auch wenn es nicht so bequem erscheint: Die Schultergurte müssen immer straff am Körper anliegen.
    Achtung bei winterlichen Autofahrten: Zwischen Gurt und Kind darf keine dicke Jacke sein - sie verzögert bei einem Unfall die Schutzwirkung des Gurts beträchtlich. Tipp: Rein ins Auto - raus aus dem Anorak! Lieber eine wärmende Decke über Kind und Kindersitz legen.
  8. BEIFAHRERSITZ

    Kinder unter 150 Zentimetern dürfen nur in einem geeigneten Rückhaltesystem in der ersten Sitzreihe sitzen.
    Achtung: Ist der Kindersitz gegen die Fahrtrichtung montiert, muss der Beifahrer-Airbag ausgeschaltet werden, sonst besteht Lebensgefahr!
    Ist das bei Ihrem Wagen nicht möglich: ab auf die Rückbank mit Junior. Angaben des Autoherstellers genau beachten!
  9. KINDER SIND KEINE KLEINEN ERWACHSENEN

    Achten Sie darauf, dass sich Ihr Kind während der Fahrt nicht selbst abschnallt. Machen Sie ihm unmissverständlich klar: Ist es nicht angeschnallt, kann das Auto nicht los- bzw. weiterfahren.
  10. ABSTAND BEWAHREN

    Von der Nasenspitze des angegurteten Kindes bis zum Vordersitz braucht es 55 Zentimeter Sicherheitsabstand!
  11. HÄNDE WEG VON GEBRAUCHTEN SITZEN

    Niemand kann die Sicherheit eines gebrauchten Sitzes überprüfen oder garantieren. Unsichtbare Haarrisse können dessen Schutzwirkung des Sitzes im Ernstfall auf Null reduzieren. Sparen Sie daher nicht beim Kindersitz. Von älteren Geschwistern sind Sitze vorhanden? Nun: Meistens sind Kindersitze für die Nutzungsdauer von zwei Geschwisterkindern konzipiert. Im Zweifelsfall aber lieber die Herstellerangaben lesen!
    Nach einem Unfall muss ohnehin jeder Kindersitz ausgetauscht werden! Schon nach einem Aufprall mit nur 10 km/h ist er nicht mehr sicher! Wenn das Geld knapp ist: Fachhändler bieten in der Regel Ratenzahlungen an.

  12. AUTO, KIND UND KINDERSITZ MÜSSEN ZUSAMMENPASSEN!

    Nicht jeder Sitz passt in jedes Auto, nicht jeder Sitz ist für jeden Autotyp zugelassen, und nicht jedes Kind findet mit seiner persönlichen Statur in jedem Sitz Platz.
    Einen Kindersitz gilt es daher immer mit Auto und Kind auszuprobieren.
    Ein Fachhändler kann Sie individuell beraten und Ihnen auch den Einbau des Sitzes vorführen.
  13. DAS KIND IM AUTO IMMER SICHERN!

    Wie kurz die Strecke, wie unbefahren die Straße auch ist: Ein ungesichertes Kind im Auto befindet sich in Lebensgefahr!

Fotos: Joie

INFOS

Wichtige Infos für autofahrende Eltern zum Thema Kindersicherheit:

Zurück