Fast ein Zehntel aller österreichischen Kinder wurden mit Hilfe von Reproduktionsmedizin gezeugt. Denn späte Mutterschaft ist längst Realität, und professionelle Hilfe eröffnet vielen Frauen und Paaren neue Chancen… und Österreich mehr Kinder.
Späte Familienplanung als neuer Standard
Frauen gründen ihre Familien später. Die Gründe sind vielfältig: berufliche Chancen, persönliche Entwicklung, finanzielle Sicherheit – und oft die Hoffnung auf einen stabilen Partner an der Seite. Die Konsequenz: Die biologische Uhr tickt schneller, und der Kinderwunsch trifft auf eine Realität, in der Zeit ein kostbarer Faktor ist. Das Kinderwunschzentrum an der Wien dokumentiert genau diese Entwicklung: 2024 führten österreichische ÄrztInnen insgesamt 22.218 Kinderwunschbehandlungen durch – eine Steigerung von 2,05 Prozent zum Vorjahr.
Das mag statistisch gering klingen, dahinter verbergen sich aber 5.630 Schwangerschaften, die ohne diese medizinische Unterstützung nicht entstanden wären. Und nicht zuletzt: Ohne die Reproduktionsmedizin würde es in Österreich insgesamt acht bis neun Prozent weniger Neugeborene geben.
Wenn der Wunsch später kommt: Warum Reproduktionsmedizin wichtiger wird
Die Geburtenrate in Österreich liegt aktuell bei nur 1,31 Kindern pro Frau. Ein Wert, der besorgt stimmt – und gleichzeitig zeigt, wie entscheidend die Rolle der Kinderwunschbehandlung geworden ist. Zum Vergleich: Länder mit besserer Zugänglichkeit zu IVF-Behandlungen schneiden deutlich besser ab. Dänemark erreicht 1,50 Kinder pro Frau, Frankreich 1,66 – und beide investieren staatlich in die Reproduktionsmedizin.
Univ.-Prof. Dr. Andreas Obruca, Leiter des Kinderwunschzentrums an der Wien und Präsident der Österreichischen IVF-Gesellschaft, betont den gesellschaftlichen Stellenwert dieser Entwicklung:

„Die Geburtenzahlen sinken drastisch, der Kinderwunsch rückt nach hinten und damit steigt der Bedarf an Unterstützung. Wenn wir wirklich mehr Kinder in Österreich wollen, müssen wir den Zugang zur Reproduktionsmedizin ausbauen.“
Kaum mehr Zwillingsschwangerschaften: Warum moderne IVF sicherer ist
Wurden früher nach IVF öfter Zwillinge geboren, sinkt diese Zahl jetzt deutlich. Die aktuellen Daten zeigen ein klares Bild: Die Zwillingsrate bei IVF-Geburten liegt 2024 auf einem Rekordtief von nur 4,2 Prozent. Zum Vergleich: Noch 2022 lag sie bei 6,9 Prozent, 2023 bei 4,8 Prozent.
Diese Entwicklung ist kein Zufall. Sie ist das Resultat präziserer Techniken, besserer Diagnostik und eines veränderten Behandlungsansatzes: Moderne IVF arbeitet mit Einzelembryotransfer statt Mehrfachimplantationen. Das Ergebnis ist mehr Sicherheit für Mutter und Kind – und weniger medizinische Risiken, die mit Mehrlingsschwangerschaften verbunden sind.
Mehr als nur Statistik: Offene Türen zum Wunschkind
Andreas Obruca fasst es zusammen: Kinderwunschmedizin ersetzt keine Familienpolitik, aber sie hält für viele Frauen und Paare Türen offen, die sich sonst schließen würden, und eröffnet den Weg zum vielleicht doch noch später gewünschten Kind.
Ausblick: Mehr Gerechtigkeit in der Familienplanung
Ein wichtiges Thema ist auch die Zukunft: Derzeit sind alleinstehende Frauen in Österreich von Kinderwunschbehandlungen ausgeschlossen – eine Regelung, die reformbedürftig ist. Die neue Fortpflanzungsmedizin-Gesetzesnovelle könnte hier einen wichtigen Schritt bedeuten und den Zugang demokratisieren, ohne dabei an Sicherheit oder ethischen Standards zu sparen.
Denn eines ist klar: Reproduktionsmedizin ist längst Realität und für viele Familien ein Segen. Sie ermöglicht späte Mutterschaft und schafft neue Chancen – für Paare und für die österreichische Gesellschaft, denn Kinder bedeuten die Zukunft.
Quelle: Kinderwunschzentrum an der Wien, IVF-Jahresbericht 2024 | www.kinderwunschzentrum.at
Bildquellen
- Portrait Obruca_c Kinderwunschklinik an der Wien: Kinderwunschzentrum an der Wien
- Reproduktionsmedizin_Startseite_c Kinderwunschzentrum an der Wien: Kinderwunschzentrum an der Wien